Ferry Ultra

Norwegen Ahoi! Mit der Fjordline von Aalborg über Stavanger nach Bergen

Erstmal läuft in meinem Kopf läuft der „Star Wars“-Marsch ab: Ich stehe im Dunkeln auf der Verbindungsbrücke vor der MS Bergensfjord, einem 170 Meter langen Fährungetüm, mit dem ich und meine Reisegruppe mehr oder weniger sanft über Stavanger durch die Schären nach Bergen schaukeln werden – und über Nacht. Sofort setzt dieses unbeschreibliche Gefühl aus Reisefieber, Ungewissheit und Neugierde ein, das Schiff zu erkunden, allein im Dunkeln aufs Meer zu starren und sich gleichzeitig einsam und ein bisschen erhaben zu fühlen. An Bord jubelt der Matrose in mir laut auf: Eine Außenkabine mit XL-Bullauge! Dazu ein schmales, überraschend bequemes Klappbett, Nasszelle, sogar einen Fernseher habe ich. Mir reicht natürlich die Aussicht: Auch wenn es draußen stockdunkel ist, presse ich meine Nase an die Scheibe. Allein zu wissen, dass da unten das Meer ist, macht mich selig. Seekrank wurde ich bisher nur einmal, bei einer enttäuschenden Walsafari in Kalifornien, wo es aus hunderten Metern ein paar schemenhafte Umrisse kurz über der Wasseroberfläche gab, die auch Seehunde oder Wellen hätten sein können.

 

(c) Fjord Line

 

 

Aber jetzt und hier bin ich ja bestens gegen Kotzeritis gerüstet – und stürze mich in dem fast schon psychedelisch wirkenden Retro-Salon aufs Büffet, als ob es kein Morgen (und keine Wellen) gäbe. „Die Deutschen lieben ihr Büffet“, sagt eine Kellnerin nicht ohne ironischen Unterton auf die Frage, warum es so unfassbar viel und vieles zu Essen gibt – schließlich ist Mitte März und damit Nebensaison. Halten wir nach drei Gängen fest: Der Wal bin ich selber… Also Zeit für einen Spaziergang! Vorbei an drei riesigen Schornsteinen und dem Hubschrauberlandeplatz. Die MS Bergensfjord und ihr Schwesternschiff, die MS Stavangerfjord, sind die ersten und größten Kreuzfahrt-Fähren der Welt, die ausschließlich mit Erdgas fahren: Die Schiffsmotoren werden ausschließlich mit flüssigem Erdgas (LNG) angetrieben, was weniger Treibhausgasausstoß verursacht als das herkömmliche Schweröl „Da freuen sich auch die Wale“, denke ich. Im Dunkeln allein auf dem monströsen Schiff umher zu tapern, bei beachtlichem Wellengang, hat etwas sehr Gewaltiges.

 

 

Ich stelle mir unweigerlich vor, ins Meer zu fallen oder zu springen (ich wünsche mir auf Schiffen irrerweise immer, dass die Rettungsboote zum Einsatz kommen…) – kein Handy, keine Winterjacke und kein Schwimmabzeichen würden einem helfen, man wäre komplett auf sich allein zurück geworfen und hätte in dem ca. 7 Grad kalten Wasser ohnehin nicht mehr viel Zeit, dass Leben Revue passieren zu lassen. Zwar erfuhr ich neulich von diesem verblüffenden Navy-Trick mit der Jeanshose, aber ob das unter Wasser halten würde, soll lieber mal unter anderen Bedingungen ausprobiert werden. Mir läuft es kalt den Rücken runter, auch weil ich an den Entertainer denke, der neulich auf einem Kreuzfahrtschiff über Bord ging (und vor allem, wie über ihn berichtet wurde). Ich gehe lieber wieder rein – und freue mich in der Showbar über eine Retro-Countryband.

 

 

Kurz nach 22h abends falle ich todmüde in meine Koje. Es kommt dann zu ein paar heftigeren Wellen und ein bisschen Gewackel, das bald wieder abebbt. Ich falle sofort in komatösen Schlaf (Danke, Rotwein). Am nächsten Morgen, Stavanger im Süden haben wir schon passiert, habe ich dann endlich freie Sicht: Durch mein Bullauge sehe ich das noch ziemlich graue und verregnete aber dennoch phänomenale norwegische Festland. Vorbei an kleinen bewaldeten Inseln, Fischerhütten, Felsen und Schären. Das Schöne an dieser Art zu Reisen: Man kommt nach und nach an und hat nicht das Gefühl, der Kopf hängt noch irgendwo am Transit fest, während man schon physisch anwesend ist. Auch wenn es auf dem Schiff naturgemäß etwas laut zugeht: Neben einem Bullauge mit dem Macbook zu arbeiten, hin und wieder rauszuschauen und sich doch zu konzentrieren, fällt überraschend leicht.

 

 

Kurz bevor wir in Bergen ankommen, dürfen wir auf die Brücke und mit dem ersten Offizier Kasper Kristensen plaudern. Wie hoch die Wellen werden, bevor das Schiff seeuntüchtig ist bzw der Betrieb eingestellt wird (10 Meter), ob er schon mal seekrank war (Nie!) – und ich will natürlich wissen, ob er oft Wale zu Gesicht bekommt. „Ja, das kommt recht häufig vor. Manchmal sehen wir sogar Orca-Herden mit bis zu 20 Tieren.“ Ich schaue noch intensiver nach draußen, als ich es ohnehin tue. Aber heute ist leider nicht manchmal. Kurz darauf legen wir im Hafen von Bergen an.

Moin Norwegen!

Diese Reise wurde unterstützt von Fjord Norway.