Butter bei die… Weißwurscht!

Oder wie ich nicht nur Norden gegen Süden, sondern auch die Großstadt gegen das Landleben tauschte.

von Marthe

Ich hatte nie vor, nach Bayern zu ziehen. Sorry Bayern, hat nix mit Dir zu tun. Wir kannten uns bis dato einfach noch nicht gut genug. Ehrlich gesagt hatte ich nicht einmal vor, mein Leben überhaupt irgendwie zu ändern. Lustig, denn jetzt sitze ich in meiner neuen Wohnung. In einem klitzekleinen Dorf, 900 Kilometer von meiner norddeutschen Heimat entfernt, im oberbayrischen Idyll namens Chiemgau.

Die letzten zwei Jahre habe ich in Hamburg gelebt. Direkt an der Hauptstraße gewohnt. Das Großstadtgewimmel genossen. Dann kam ein Jobangebot in Bayern. Meine große Ankündigung vor Freunden und Familie: Ich zieh‘ nicht um! Keine zwei Wochen später wühlte ich mich durch Wohnungsanzeigen in und um Rosenheim. Wieso, weshalb, warum? Schon die 900km Fahrt zu meinem ersten Vorstellungsgespräch fühlte sich an wie in-den-Urlaub-fahren. Je näher die Berge kamen, desto mehr wurde mein großartig angekündigter Verzicht auf Lebenswandel Schnee von gestern. Für jemanden, der noch nie im Skiurlaub war und allenfalls an Silvester ein paar Berge in Sissi 1, 2 und 3 zu Gesicht bekommt, ist der Anblick der Voralpen schon spektakulär.

Das erste Bewerbungsgespräch war also nicht nur eines zwischen mir und der Personalerin. Sondern auch eines zwischen mir und Bayern. Erste Runde: bestanden. Und so landete ich letztendlich in einem kleinen Ort am Fuß der bayrischen Alpen. Und hingegen aller Befürchtungen, langweile ich mich auf dem Dorf kein bisschen. Die Stadt an sich fehlt mir kaum. Natürlich fehlen mir die Menschen aus Hamburg. Aber nicht der Trubel. Ich bin zwar überzeugt, dass man in seinem Leben unbedingt einmal in einer großen Stadt gewohnt haben sollte. Dass es auf dem Land aber stinklangweilig sein soll, ist allenfalls ein abgegriffenes Klischee der Fantasielosen. Gerade hier, in Oberbayern. Hier steckt in jedem Herrgottswinkel so viel Kultur und Tradition verbunden mit Natur- und Heimatliebe, wie ich es bisher noch nie erlebt habe. Von Mai bis Oktober wird ein Wein-, Bier- oder Waldfest nach dem anderen gefeiert. Man begegnet hier Trachtlern, Überlebenskünstlern und Hippies gleichermaßen. Tja, das hast du jetzt davon, Bayern. So schnell wirst du mich nicht mehr los!