Mein Teddy macht Muh!

„Ich schwärme für einfache Genüsse. Sie sind die letzte Zuflucht der Komplizierten.“ (Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray)

von Roland

Zur Kuschelkuh, erfahre ich von Bauer Jürgen Voss, wird ein Tier nicht gemacht, sondern geboren. „Das merkt man schon beim Kalb, wenn es von sich aus zutraulicher mit uns Menschen ist als andere“, erzählt er bei Kaffee und Kuchen in der Stube des Bauernhauses, bevor es losgeht. 150 Rinder versorgen er und seine Frau Heidi mit ihren Söhnen auf dem Hof in Laave (Amt Neuhaus bei Lüneburg) – und man merkt, dass die Tiere für das Paar nicht bloß Nutzvieh sind. Wenn sie von den Rindern sprechen, dann mit leuchtenden Augen.  „Also, wenn eine Kuh von sich aus nicht kuscheln will, dann hast du keine Chance, dich danebenzulegen.“
Mit anderen Worten: Was gleich passiert, passiert in gegenseitigem Einvernehmen!

Schreiten wir zur Tat, über den Hof in einen der Ställe. Ich bin übrigens hier, weil ich zu viel arbeite. Gestresst bin. Und gelesen habe, dass Kuhkuscheln dagegen hilft. Dass Kuh Laura und ihre rund 600 Kilo mir ein sanftes Ruhekissen sein können, das den unsteten Geist für eine Stunde besänftigt – und vielleicht sogar darüber hinaus. Tatsächlich ist Kuhkuscheln inzwischen ein Trend-Angebot für Landwirte in Deutschland, wenn sie neben den spärlichen Erträgen einen Nebenerwerb im Tourismus suchen.

Kühe machen Mühe, zumindest, wenn man Landwirt ist. Tagtäglich mit ihrer Aufzucht, ihren Krankheiten, den Geburten oder dem Abwickeln von Verkaufsvorgängen zu tun hat. Es ist ein Knochenjob – aber als Außenstehender, zudem aus der Stadt, romantisiert man das Leben auf dem Bauernhof automatisch, klar.

Mit Laura ist es dann Liebe auf den ersten Blick, zumindest meinerseits: Sie hat ihren riesigen Kuhkörper in Liegeposition auf dem Stroh geparkt – und blickt sanft und freundlich aus ihren dunklen Augen, als ich mich vor sie hocke und ihr meine Hand zum Beschnuppern ausstrecke. Ich setze mich neben sie, bald lehne ich mich an. Der Rhythmus, in dem sich Lauras Brustkorb beim Atmen hebt und senkt ist in etwa so beruhigend, wie dem Ein- und Auslaufen der Wellen an der Elbe zuzuschauen. Es wie eine Ur-Erfahrung, so im Einklang mit einem Tier zu sein, mit dem man sonst eher indirekt zu tun hat, wenn man sich morgens gedankenlos Milch in den Kaffee gießt.

Ihr Körper ist warm und schwer wie ein riesengroßes Körnerkissen – und ich fühle jetzt schon, wie alles von mir abfällt. Selbst, als Laura ihren Kopf an mich schmiegt, ihn mit schwerem Seufzen auf meiner Brust ablegt. Sieh an, auch Laura lässt sich also fallen.

Gut zu wissen: Die Stunde im Stall tut nicht nur mir gut.

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