Sch(l)aflos in Wales

Abschied ist ein schweres Schaf: Der wundervolle Kurzfilm „Peter and Ben“

von Roland

Zehn Minuten von eurer Zeit, die sich lohnen – für eine eigenwillige Geschichte: Die Kurzdoku „Peter and Ben“ ist nicht nur eine Liebeserklärung an die Natur, sondern vor allem an die Freundschaft zwischen zwei Außenseitern – zwischen dem verschrobenen älteren Einsiedler Peter und Ben, einem Schaf, das von seiner Herde verstoßen wurde.

Äh, Moment mal, eine Geschichte über die Freundschaft zwischen einem Mann und einem Schaf…!? Falls da jetzt jemand auf weirde Gedanken kommt: Es geht natürlich nicht um eine abwegige Love Story im Stroh!

Ich habe „Peter and Ben“ vor fünf Jahren zufällig im Flugzeug gesehen – da es bis zur Landung nur noch ein paar Minuten waren, reichte die Zeit nur für kurze Bordunterhaltung. Der Film von der Londoner Regisseurin Pinny Grylls zog mich sofort in ihren Bann:

Als junger Mann zog Peter allein in die walisische Einöde, wo er selbstgenügsam im Einklang mit der saftigen grünen Natur lebt. Was genau er dort tut, außer auf dem Rücken zu liegen, zu lesen und lange Spaziergänge zu machen, erfahren wir nicht. Eines Tages findet er ein Lamm im Straßengraben, das von seiner Mutter und seiner Herde verlassen wurde. Ben, wie Peter das Tier nennt ist, als die Geschichte einsetzt, bereits ein halbstarker Bock – der am liebsten in Peters Hütte dringt und Chaos stiftet.

Und weil Ben immer menschenähnlicher und frecher wird, beschließt Peter, dass es das Beste für das Tier sei, sich einer Herde weit weg anzuschließen – und fährt in quer durch Wales, um ihn in sein neues altes „natürliches“ Leben zu entlassen…

„Peter and Ben“ erzählt eine nerdige, besondere und doch universelle Geschichte über die Freundschaft von zwei vermeintlich ungleichen Protagonisten. Die sich letztlich sehr ähnlich sind, da beide fern von ihrer Herde leben – und eben beide schwarze Schafe sind. Als Peter beschließt, Ben zu einer neuen Schafsfamilie zu bringen, ist das trauriger als die Abschiedsszene bei „E.T.“ – und nicht zuletzt durch die Nähe der Kamera zu den beiden und der Natur ein kleines, rührendes Meisterwerk.