Stadt, Land, Fluss

Stadt, Land, Fluß? Nee, Stadt, Land, Standgewässer! Ob Bagger-, Bade- oder Bergsee: In Deutschland lieben wir unsere Binnengewässer einfach. Zum Flanieren, drin Schwimmen, drauf Eislaufen, drüber Paddeln – oder einfach, um Leute am Wasser zu beobachten. Hier stellt stadtlandflow regelmäßig einen besonderen See vor.

Folge 3: Der schönste See der Welt? Hm, erstmal ein Alster zischen!

Hamburg sieht sich ja gerne als die Miss World unter den Städten. Die Ansicht muss man nicht teilen, schließlich gibt es ja auf selbiger Welt auch Sevilla, Sydney, Rom oder Kapstadt. Aber: An einem sonnigen Frühlingstag im Mai würde es Fräulein HH bei einer City-Miss-World-Wahl locker unter die ersten 10 schaffen.

Gleich zwei Gewässer buhlen um die Gunst der Cityflaneure, Dauerläufer und Bootsfahrer: Neben der Elbe natürlich die Alster, beziehungsweise „nur“ der so genannte Alstersee, geteilt in Binnen- und Außenalster, Alster heißt eigentlich ein 56-Kilometer langer Nebenfluss der Elbe, der von Südholstein nach Hamburg fließt – bis er in den Alstersee mündet.

In Hamburg sagt man nicht nur Tschüss, sondern auch verkürzt: Alster. Die 7,4 Kilometer umrunden, das ist für Hamburger eine beliebte und allerdings auch ernste Angelegenheit! Man muss schon sein breitestes Sonntagsgrinsen auflegen, wenn man jemandem entgegenkommt – und ein Rück-Lächeln erwartet. Mit viel Glück und Beharrlichkeit erntet man für ein paar Millisekunden hochgezogene Mundwinkel (meist aber, sorry Hamburger, einen irritierten Blick, der sich schnell nach unten senkt). Paare sind gern in gleichfarbigen Windbreakern unterwegs, was an Uniformen erinnert, ebenso wie die Funktionsklamotten der Läufer: Hauptsache eng, man ist ja schließlich in Form! Und überraschend oft Neongelb, was verständlich ist – der Himmel ist ja so oft grau. Wuusch, wuusch, schnell wird man hier überholt von durchtrainierten Joggern – oft auch mehrmals von dem gleichen, was einem über das eigene Tempo zu denken gibt …

Das tolle an der Alster: Es gibt so viele Anleger, Stege, Biergärten und Wiesen, dass man selbst an Tagen mit massig Passanten immer genug Platz hat. Hier fühlt man sich maritim, großstädtisch und gleichzeitig schnell so erholt, als würde man Kurzurlaub an der Nordsee machen!

Wenn man halbwegs normales Tempo draufhat, dauert eine Umrundung beim Joggen etwas über eine dreiviertel Stunde, als Fußgänger hat man die Außenalster in guten zwei Stunden umrundet – die vielen Pausen mitgezählt, wo man kurz stehen bleibt und einfach nur genießt oder ein Foto schießt. Dass es so viele schöne Stellen mitten in der Stadt geben kann! Ja, auch mir als Zugezogener, der dieses „schönste Stadt der Welt“-Skandieren nicht verstehen kann – schöne Menschen werden ja nicht unbedingt schöner, wenn sie von sich behaupten, sie seien es – entfährt spätestens auf der Kennedybrücke ein Panorama-Seufzer angesichts der Postkartenmotive links und rechts: rechts der Jungfernstieg mit Wassefontäne und Prachtbauten, links freie Sicht auf den See mit Schwänen (wenn sie nicht vom eigens eingesetzten Schwanenvater ins Winterquartier gebracht wurden), Segelbooten und Paddlern.

Beim Spaziergang möchte man spätesten jetzt, na? Genau, ein Alsterwasser. Prost, auf eine schöne Stadt und ihren schönen See!

Noch mehr Gewässer gefällig? Hier geht’s zu den anderen Portraits von „Seen und gesehen werden“!

SLF_Bayern_Simmsee_Beitrag

Folge 1: Der Simssee

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Stadtspaziergang4

Folge 2: Kloster Seeon

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