All those who wander aren’t lost

Eine Ode an den aufrechten Gang

von Marthe

Wenn man „wandern“ googelt, erscheint als erstes Ergebnis ein News-Artikel mit der netten Headline: „Senioren wandern durch den herbstlichen Wald bei Weisel“, als zweites „Auf guten Wegen ist gut wandern“ und schließlich „Wandern wie im 19. Jahrhundert“ – alles Titel, die vor Energie also nur so übersprudeln. Dass das Wandern aber gar nicht so fad ist wie sein Ruf, beweist allein schon die Tatsache, dass es dafür noch viel interessantere Begriffe gibt. In Bayern zum Beispiel sagt niemand dazu Wandern – man geht in die Berge. (Aus Angst vor Fettnäpfchen, erspare ich mir die richtige Übersetzung in die bairische Mundart, ich bin ja die Neue hier!) Und Zack, klingt das ganze Unternehmen doch schon gleich viel abenteuerlicher. Berge, die sind hoch, das heißt: Anstrengung. Vielleicht sogar Gefahr. Und vor allem: Belohnung am Ende der Tour, wenn man den „Gipfel“ erreicht hat.

Und das Schöne am Wandern ist ja auch, dass man dafür so gut wie nichts können muss. Man braucht ein paar gute Schuhe, eine Flasche Wasser, eine tüchtige Outdoorjacke und schon kann es losgehen. Die Route gibt’s als Karte oder zeitgemäß per App. Und für alle Draufgänger sind da ja immer noch die guten alten Schilder am Wegesrand. Man zieht also los – mit der Aussicht auf eine – ähem – Aussicht und lässt sich auf seiner Tour von Natur und frischer Luft berieseln.

Wenn man, wie ich, noch nicht lange im Wander-Business ist, eignen sich einfache Routen mit wenig Steigung und noch weniger Strecke. 60 Minuten mit 300 Meter Höhenunterschied. Das sollte für den Anfang Abenteuer genug sein. Klein anfangen, dann langsam steigern. Wer von Beginn an behauptet, der nächste Reinhold Messner zu sein, kommt höchstwahrscheinlich zwar rauf auf den Berg, vergisst aber, dass der Weg nach unten auch nicht ohne ist. Und dann sitzt er da auf der Spitze und guckt doof aus der Funktionswäsche.

Aber das ist doch das Schöne am „in die Berge gehen“: jeder kann es tun. Man muss kein Profi sein. Und vor allem geht es immer. Frühling, Sommer, Herbst – im Winter dann mit Schneeschuh & Co. Man kann der Natur dabei zusehen, wie sie sich über die Jahreszeiten hinweg verändert und mal sagt man einer genüsslich grasenden Kuhherde „hallo“ (Frühling bis Sommer), mal dem empört quietschenden Murmeltier (wenn man eins entdeckt). Und am Ende winken meist noch eine herzhafte Brotzeit und ein kühles Helles auf der Alm – ganz ohne schlechtes Gewissen. „Basst ois!“, sagt da der Bayer.

Also ran an die Wanderpuschen. Der Berg ruft. Und wer keinen Berg parat hat, der wandert im Wald. Nur nicht verlaufen, bitte!