Hummeln im Hintern

Oder warum ich jetzt noch mehr nach draußen will.

„Der Junge muss an die frische Luft“ – der Filmtitel spricht mir aus der Seele. Nicht nur, weil meine Eltern das früher auch immer gesagt haben, sondern weil ich, wie Hape Kerkelings Opa im Kinofilm, daran glaube, dass man einfach gesünder, kreativer und besser drauf ist, wenn man mindestens eine halbe Stunde Frischluft einatmet.

Heute morgen hatte ich so richtig beschissene Laune: Klar, die Natur braucht den Starkregen nach diesem Wüstensommer dringend. Doch wollte es einfach nicht aufhören zu pissen und erst recht nicht hell werden. Es reichte mir. Dazu klappten zwei, drei Jobsachen nicht, die ich Euch an dieser Stelle erspare – am liebsten wollte ich sofort wieder ins Bett, Kekse essen und den ganzen Tag netflixen. Stadtlandflow kann heute mal schön ohne mich stattfinden, dachte ich. Und musste gleich selbst über mich lachen. Und so einfach wollte ich es meinem inneren Schweinehund dann auch nicht machen und zog gegen seinen Willen Sportzeug, Joggingschuhe und Regenjacke über.

Ich lief sechs Runden durch den Wohlers Park, ein kleiner ehemaliger Friedhof bei mir um die Ecke, zwischen Schanze, St. Pauli und Altona – dafür braucht man bei moderatem Laufen etwa 35 Minuten (also ich zumindest). Nach einer halben Runde wollte ich wieder aufhören, nach einer ganzen war ich klatschnass und fror und ab der zweiten wusste ich: Es war hier und jetzt genau das Richtige. Denn irgendwann legt sich ein Schalter um, man bemerkt den Regen gar nicht mehr bzw. fühlt ihn als einzige Erfrischung, die Körper und Geist aufklart.

Klar, ich hätte auch Bergsteiger werden können. Oder Landwirt. Oder Förster. Einem Job nachgehen, der mir ein Leben open air garantiert. Aber ich liebe ja nun mal auch die Stadt, liebe es, Journalist und Texter zu sein – und da ist man eben meistens drinnen: In Verlagshäusern, Agenturen oder zuhause am Schreibtisch (draußen im Café oder unter einem Baum arbeiten kann ich nicht, ich kenne auch niemand, der sich dabei konzentrieren kann, außer auf Stockbildern zu Reportagen über „Work Nomaden“). Also brauche ich eine gute Work/Out-Balance, so würde ich das nennen.

Manchmal unterstellen mir Freunde, dass ich nie entspannt bin, weil ich wirklich immer vorschlage, rauszugehen, spazieren zu gehen, Frisbee zu spielen (übrigens auch im Winter, warum denn auch nicht?), zu laufen, eine Radtour zu machen oder einen Ausflug ans Meer. Ich liebe das halt und mich entspannt es. Ich liebe auch mein Sofa, aber wenn ich zu lange nicht an der frischen Luft bin, werde ich unleidig und aufgekratzt.

Mir ging es auch nach der Laufrunde richtig gut, alles dampfte, der Kopf war frei, an Netflix war danach nicht mehr zu denken, ich machte meine Steuern fertig, verabredete mich fürs Klettern, was ich schon ewig ausprobieren wollte. Und ja, ich war auch ein bisschen stolz, dass ich bei dem Schietwetter den Arsch hochgekriegt und ein paar Runden gedreht hatte.

Ich will damit sagen: Man muss nicht Marathonläufer oder Extemwanderer werden. Ein bisschen nach draußen – das aber schon bei jedem Wetter und jeden Tag – tut es auch schon. Macht fitter, ausgeglichener. Und ich meine damit: BEWUSST nach draußen, den Weg zur Arbeit sollte man natürlich auch mit dem Rad oder zu Fuß bestreiten. Aber ich würde Euch für das neue Jahr empfehlen: Jeden Tag mindestens eine halbe Stunde einen Spaziergang zu machen und die Umgebung bewusst zu genießen und sich darauf zu konzentrieren. Was siehst Du? Welche Leute kommen Dir entgegen? Was denken Sie wohl, wie ist ihre Geschichte? Was hörst Du, wenn Du den Straßenlärm ein bisschen hinter Dir gelassen hast? Welche Tiere siehst Du im Stadtpark?

Ich wette: Wenn Du jeden Tag eine halbe Stunde rausgehst, egal was für Wetter draußen ist, dann wirst Du bald einen Unterschied merken. Auch, wenn es Dir jetzt schon gut geht;) Und den Kinofilm „Der Junge muss an die frische Luft“ empfehle ich an dieser Stelle trotzdem dringend. Der macht nämlich auch ganz schön happy.

Hummeln im Hintern | stadtlandflow
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